Die kurze Antwort: Eine offene Fachkraft-Stelle bleibt in Deutschland im Schnitt 183 Tage unbesetzt (Bundesagentur für Arbeit, Fachkräfteengpassanalyse 2025). Rechnet man die entgangene Wertschöpfung dagegen, entsteht schnell ein fünf- bis sechsstelliger Betrag pro Stelle — noch ohne Headhunter, Mehrbelastung im Team und liegengebliebene Projekte.
Das Wichtigste in Kürze
- 183 Tage dauert die Besetzung einer Fachkraft-Stelle im Schnitt; die BA zählt 157 Engpassberufe (Fachkräfteengpassanalyse 2025).
- Formel: Cost of Vacancy ≈ Wertschöpfung pro Tag × Vakanztage + direkte Recruiting-Kosten.
- Beispielrechnung: rund 125.000 € theoretischer Wertschöpfungsausfall pro Stelle — selbst konservativ gerechnet bleiben rund 42.000 €.
- Die indirekten Kosten (Überlastung, abgelehnte Aufträge, Know-how-Verlust) übersteigen die direkten oft deutlich.
- Der wirksamste Hebel setzt vor der Vakanz an: sichtbar sein, bevor die Stelle frei wird.
Die Ausgangslage in Zahlen
Deutschland fehlen 369.400 Fachkräfte allein im MINT-Bereich; der Wertschöpfungsverlust liegt bei rund 49 Milliarden Euro pro Jahr (IW Köln, MINT-Report). Gleichzeitig meldet die Bundesagentur für Arbeit für Fachkräfte mit Berufsausbildung eine durchschnittliche Vakanzzeit von 183 Tagen — in Engpassberufen wie Sanitär/Heizung/Klima (240 Tage) oder Kfz-Technik (239 Tage) noch deutlich mehr. Eine offene Stelle ist also kein Wochen-, sondern ein Halbjahresproblem.
Die Formel: Cost of Vacancy
Der einfachste belastbare Ansatz rechnet mit der Wertschöpfung, die eine Position pro Tag erbringt:
Cost of Vacancy ≈ (Jahreswertschöpfung der Position ÷ Arbeitstage) × Vakanztage + direkte Recruiting-Kosten
Direkte Kosten sind Anzeigen, Active Sourcing und gegebenenfalls Personalberater — deren Honorare liegen marktüblich bei einem Viertel bis einem Drittel des Jahreszielgehalts.
Beispielrechnung — transparent und zum Nachrechnen
Angenommen, eine MINT-Fachkraft verantwortet 150.000 € Jahreswertschöpfung (Annahme — setze hier deine eigene Zahl ein):
| Position | Rechnung | Betrag |
| Wertschöpfung pro Arbeitstag | 150.000 € ÷ 220 Tage | ca. 682 € |
| Theoretischer Ausfall | 682 € × 183 Vakanztage | ca. 125.000 € |
| Konservativ (Team fängt ⅔ ab) | 125.000 € ÷ 3 | ca. 42.000 € |
Selbst in der konservativen Variante kostet eine einzige unbesetzte Stelle mehr als ein Jahrzehnt Employer-Branding-Präsenz im Einstiegspaket. Und diese Rechnung läuft pro Stelle — bei jeder Vakanz von Neuem.
Die unsichtbaren Kosten
Die Tabelle zeigt nur den messbaren Teil. Dazu kommen: Überstunden und Überlastung im Team (mit Folgekosten bis zur nächsten Kündigung), Aufträge, die du ablehnen musst, Projekte, die liegen bleiben, und Know-how, das mit jedem Abgang das Haus verlässt. Diese Posten tauchen in keiner Recruiting-Rechnung auf — im Jahresergebnis schon.
Warum Warten die teuerste Option ist
Wer erst bei einer offenen Stelle mit dem Suchen beginnt, bezahlt die volle Vakanzzeit. Wer als Arbeitgeber dauerhaft sichtbar ist, startet jede Suche mit Vorsprung: Die richtigen Leute kennen das Unternehmen bereits, bevor die Stelle frei wird.
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Autor: Michael Brehl, Geschäftsführer Tekkieversum GmbH
Quellen
Bundesagentur für Arbeit: Fachkräfteengpassanalyse 2025 · Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln): MINT-Report. Beispielrechnung mit offen gelegten Annahmen; eigene Werte einsetzbar.